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Stille kehrt ein
7.1.2026
Von Yvonne Roth ÖHRINGEN (HZ 20.12.2025 S. 28)
Schnell huschen noch Schüler in den Raum, nachdem sie ihre Schuhe auf dem Flur ausgezogen haben. Am Hohenlohe-Gymnasium (HGÖ) gibt es nun diesen Raum, in dem sich die Schüler ihre mentale Stärke zurückholen können.
Der „Raum der Stille“ wird am vergangenen Dienstag mit einer Andacht eingeweiht. Die Schüler und alle Verantwortlichen, die an der Gestaltung dieses Raumes mitgewirkt haben, sitzen auf dem flauschigen Teppichboden und auf Kissen. In der Mitte des Kreises eine Klangschale und Elektrokerzen. Ein freudiges Aufatmen geht gefühlt durch den Raum. Ganz nach dem Motto: Endlich ist es vollbracht.
Die Farben im Raum sind in freundlichem Orange und Hellgrün gehalten. Auf einer Wand ist mit Farbe ein Wald angedeutet. Fuchs und Reh stehen friedlich nebeneinander. Das Kruzifix auf dem Fenstersims wurde an Projekttagen erstellt – in Zusammenarbeit mit Hufschmied und Schmiedekünstler Helmut Wieland, der bereits in Rente ist. Der Jesus in diesem Raum ist aus Hufnägeln geschmiedet. Viele Hände haben hier mit angepackt.
Mit im Kreis sitzen Steffen Bäuerle, der Initiator dieses Ruheraums und Religionslehrer – und ein weiterer Religionslehrer, der Schulseelsorger Jürgen Heger. Auch Kunstlehrer haben gemeinsam mit 40 Schülern der achten Klasse an diesem Raum mitgewirkt. Durch die Arbeit daran entstand auch eine Ver- bindung dazu. Mit dabei sind auch zwei weitere Initiatoren: der evangelische Schuldekan Til Elbe-Seiffart und Schulleiter Frank Schuhmacher. „Der Hausmeister und die Stadt mussten damit leben, dass andere Hand an diesen Raum angelegt haben“, scherzt Bäuerle bei seiner Ansprache. Bei der Planung des Neubaus sei der Raum von vornherein eingeplant gewesen. Sein ausdrücklicher Wunsch: In diesem Raum ohne Möbel soll man sich auf Augenhöhe begegnen. Die Schüler sollen hier Segen, Einkehr und Ruhe empfangen können, damit sie gestärkt und bekräftigt zurück in den Unterricht gehen können.
„Hier wurde geplant, gestaltet, geschafft, Material eingekauft, Raumgestalter gefragt, Farbe ausgewählt. Er ist wunderschön, weil so unterschiedliche Leute mitgestaltet haben“, so Jürgen Heger. Es ist eine wundervoll gestaltete Einweihung mit Ansagen von Schülerinnen, der Einbettung der Klangschale, Gebeten, alle in Socken und gelassen. Und das alles, während draußen der ganz normale Schulalltag tobt. Genau so soll es sein: Türe zu für ein paar Minuten, um runterzufahren und wieder klar zu werden. Sobald die Tür geschlossen ist, fühlt man sich wie in einer Art Oase. Das HGÖ hat einen wichtigen Anfang gemacht. „Im Raum hat man einen Blick ins Grüne. Er liegt im Herzen der Schule und es ist dennoch ruhig“, erklärt Bäuerle später. Kaum wird am Ende die Tür geöffnet, dringt der Schulalltag wieder mit voller Wucht ans Ohr.



